Der Internationale ­Frauentag

Mrz 8th, 2010 | By Michael Gusenbauer | Category: Feminismus, Themen, Titelstory

Die Geschichte des Weltfrauentages am 8. März, ist die Geschichte eines politischen Kampfes für soziale und politische Gerechtigkeit, sowie für bessere Arbeits- und Lebensqualität für Frauen. Bis heute hat sich daran nicht viel geändert, denn der Kampf für Gleichbehandlung in allen Lebensbereichen geht weiter.


Geschichtliche Entwicklung des Weltfrauentagesfem8maerz

Die Tradition des Weltfrauentages geht auf die Arbeiterinnenbewegung in der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zurück. Die Industrialisierung und die damit einhergehenden neuen Arbeits- und Lohnbedingungen hatte eine neue völlig verelendete Klasse geschaffen, die der ArbeiterInnen. In diesem System waren es die Frauen, die doppelt ausgebeutet wurden. Einerseits als Frauen und andererseits in ihrer Tätigkeit als Fabrikarbeiterinnen unter menschenunwürdigen Bedingungen.
Aus diesem Grund fanden zahlreiche – von Frauen geführte – Kämpfe statt, um bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten.

Zu den ersten Demonstrationen von Arbeiterinnen kam es im Jahr 1857, als Textilarbeiterinnen in New York in Streik traten, gefolgt von Streiks der Tabak- und Textilarbeiterinnen in Manhattan.

1908 kam es zu einem Streik von Arbeiterinnen der Textilfabrik „Cotton“ in New York. Der Besitzer dieser Textilfabrik versperrte die Fabrikstore, um den Kontakt und die Solidarisierung mit anderen Belegschaften zu verhindern. Als plötzlich ein Feuer ausbrach starben 129 Arbeiterinnen in den Flammen. Dieses tragische Ereignis rückte erstmals die katastrophalen Arbeitsbedingungen von Frauen in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

Am 8. März 1917 fand auch in St. Petersburg ein Streik von Textilarbeiterinnen statt, welcher auf andere Sektoren übergriff und zu einer großen Arbeiterinnendemonstration führte. Schlussendlich lösten diese Kämpfe die bekannte Februarrevolution aus, nach gregorianischem Kalender entspricht der 8. März dem 23. Februar. Dieses Datum sollte internationale Bedeutung für die Interessen und den Kampf aller ausgebeuteten und unterdrückten Frauen bekommen.

Erster Internationaler Frauentag

Der erste Internationale Frauentag fand am 19. März 1911 statt. Clara Zetkin, eine deutsche Frauenrechtlerin, beantragte diesen Tag auf der 2. Sozialistischen Internationalen Frauenkonferenz im August 1910 in Kopenhagen.

In den folgenden Jahren beteiligten sich am Frauentag, welcher meistens an wechselnden Daten im März oder April stattfand, weltweit Millionen von Frauen an Demonstrationen, Kundgebungen und Aktionen.
Erst 1921 legte die  2. Kommunistischen Frauenkonferenz den Internationale Frauentag auf den 8. März. Die genauen Ursprünge des Internationalen Frauentages werden bis heute diskutiert. Alle Erklärungen zur Herleitung des Datums stimmen jedoch darin überein, dass die Wurzeln des Internationalen Frauentages in der Tradition proletarischer Frauenkämpfe liegen.

Zentrale Forderungen damals und ­heute

Zentrale Forderungen der 2. Sozialistischen Internationalen Frauenkonferenz waren Arbeitsschutzgesetze, das Wahl- und Stimmrecht der Frauen, gleicher Lohn bei gleich(wertig)er Arbeitsleistung, der Achtstundentag, ausreichender Mutter- und Kinderschutz und die Festsetzung von Mindestlöhnen. Vergleicht man/frau dies mit der Situation heute, so stellt man fest, dass einige der damaligen Forderungen umgesetzt worden sind und heute – zumindest in den westeuropäischen Ländern – als selbstverständlich erscheinen.

Doch bei so manchen Forderungen – wie etwa gleicher Lohn bei gleich(wertig)er Arbeit – liegen Frauen auch heute noch weit hinter den Männern zurück, sie verdienen nach wie vor um circa ein Drittel weniger. Logisch erklären lassen sich diese Einkommensunterschiede aber keinesfalls, vielmehr entstehen sie auf Grund faktischer Diskriminierung des weiblichen Geschlechts. Doch auch, die in unserer Gesellschaft immer noch vorherrschenden Geschlechterstereotype tragen einen wesentlichen Teil dazu bei. Demnach sind Männer die (alleinigen) Ernährer der Familie, während Frauen, die sich zu Hause um den Haushalt und die Kinder kümmern, maximal etwas zum Familieneinkommen dazuverdienen.

An diesem Beispiel fällt es nicht sonderlich schwer zu erkennen, dass sich in manchen Bereichen bis heute nicht viel geändert hat. Stellt sich die Frage woran das liegt. Zum Einen kann gesagt werden, dass sowohl in Deutschland, als auch in Österreich die Nationalsozialistische Herrschaft ein wesentlicher Faktor zur Verstärkung der Rollenklischees war. So wurde in dieser Zeit auch der Internationale Frauentag als sozialistischer Feiertag verboten und stattdessen der Muttertag eingeführt. Die Intention, die dahinter stand, war die „biologische Verpflichtung“ der Frau zu propagieren. Die Frau wurde wieder in die Rolle der Mutter zurückgewiesen und sollte sich (natürlich neben ihrer arischen Abstammung) durch Charaktereigenschaften wie Treue, Pflichterfüllung, Opferbereitschaft, Leidensfähigkeit und Selbstlosigkeit auszeichnen.

In allen anderen Fragen wurde ihr nur ein sehr begrenztes Mitspracherecht eingeräumt. Entscheidungen zu treffen sollte alleine den Männern vorbehalten bleiben. Auch wenn dieses Bild mehrheitlich nicht der damaligen gesellschaftlichen Realität entsprach, sollte es doch bis zur neuen Frauenbewegung in den 1970er Jahren größtenteils unhinterfragt aufrecht erhalten bleiben. Zu dieser Zeit gelangte auch der Internationale Frauentag wieder in das Bewusstsein der Menschen zurück.

Zum Anderen spielt die Tatsache eine große Rolle, dass in Österreich nach wie vor hauptsächlich Männer in entscheidenden Positionen sitzen, sei es im öffentlichen Bereich (in Österreich gab es bis dato keine Bundeskanzlerin), oder in der Privatwirtschaft. So haben es Frauen umso schwerer ihre Forderungen und Anliegen durchzusetzen, denn welcher Mensch gibt schon gerne freiwillig Macht auf?! Doch, dass diese Missstände nicht für immer und ewig in Zement gemeißelt sind zeigen Beispiele aus anderen Ländern. So wurde in Norwegen 2005 ein Gesetz eingeführt, dass 40 Prozent aller Aufsichtsratsposten von börsennotierten Unternehmen weiblich zu besetzen sind. Zeitgleich wurde ein Pool mit 4.000 kompetenten Bewerberinnen eingerichtet. Norwegen meint es tatsächlich ernst mit diesen Forderungen, was sich vor allem an den Sanktionen zeigt. Werden die Auflagen nicht eingehalten, kann es sogar bis zur zwangsweisen Auflösung des Unternehmens kommen.

Doch um so etwas auch in Österreich umsetzten zu können ist die Politik gefragt. Wichtig ist, endlich zu begreifen, dass die Gleichstellung der Frauen nicht bloß ein Lippenbekenntnis sein kann, sondern auch gehandelt werden muss. Die Gleichberechtigung der Gesellschlechter kommt nicht nur den Frauen, sondern der gesamten Gesellschaft zu Gute.

Begonnen könnte damit werden, den Muttertag – als nationalsozialistischen Feiertag, der die Frau als Gebärmaschine in den Mittelpunkt stellt – abzuschaffen und stattdessen den Internationalen Frauenkampftag – den 8. März als Feiertag anzuerkennen, um die Missstände die noch immer herrschen, jedes Jahr aufs Neue aufzuzeigen.

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